Der Corona-Alltag beschert uns auch heitere Momente. Blick-Redaktorinnen und -Redaktoren erzählen von den schönen und guten Seiten, die es in dieser Krise auch gibt.

Auf zur Beizentour!

Guido Felder, Auslandredaktor

Statt in den Ausgang zu gehen, kaufen wir uns jetzt bei zwangsgeschlossenen Restaurants Gutscheine zusammen. Die einen behalten wir, die andern verschicken wir mit einem lieben Brief an Freunde. Die Unternehmen sind erfreut. Beizer Ernst schreibt: «Danke! Dies hilft uns, die Liquidität in den nächsten Wochen zu sichern.» Mit den überraschten Beschenkten folgen lustige Telefongespräche. Und uns bleibt mit den eigenen Gutscheinen die Vorfreude auf viele schon bezahlte Ausgänge, wenn der Spuk vorüber ist.





Happy Birthday!

Bettina Widmer, Teamleiterin Ressort Leben

«Wenn die Osterglocken blühen, hast du bald Geburtstag», sagte meine Mutter früher jeden Frühling zu mir, und meine Vorfreude begann. Dieses Jahr kümmerte mich mein Geburtstag zum ersten Mal kaum. Bis mein Bruder mir einen Korb voller Osterglocken vor die Tür stellte. Gestern konnte ich ihnen beim Aufgehen zusehen – meine Vorfreude blühte mit auf. Osterglocken interessieren sich nicht für Corona und Lockdown. Sie blühen trotzdem wunderschön und sagen mir, dass mein Geburtstag bald da ist. Ein kleines Stückchen Gewohnheit in diesen ungewohnten Zeiten.





Social Distancing?

Lea Hartmann, Redaktorin Politik

Ja, Homeoffice ist einsam. Ja, Homeoffice ist mühsam. Aber Homeoffice ist auch unterhaltsam – Videokonferenzen sei Dank. So haben wir uns in den vergangenen Tagen schon virtuelle Wohnungsführungen gegeben, den herzigen Kindern der Kollegen zugewinkt und sogar einen Abschieds-Apéro ins Netz verlegt. Der Teamchat ist zudem nicht nur für berufliche Absprachen nützlich, sondern bringt mich immer wieder dazu, laut herauszulachen. Schön zu sehen, wie man sich auf Distanz näherkommen kann.





Gemeinsames Heim

Marsel Szopinski, Redaktor News

Die Ereignisse überschlugen sich. Nur wenige Tage nach Einsendung des Antrags lag der Mietvertrag in meinem Briefkasten. Die Vorstellung der ersten gemeinsamen Wohnung mit meinem Freund lichtet das Dunkel dieser Zeit. Die Suche nach den passenden Möbeln ist meine Ablenkung. Am 1. Juli ist es so weit – hoffentlich.





Muntermacher

Andreas Dietrich, Chefredaktor BLICK

In der Alltagshektik hatte ich sie vergessen, diese Woche kam sie mir in den Sinn: die kleine Cola-Staude im Garten. Aus seltsamen Gründen mein Lieblingsgewächs. Ob sie den Winter überstanden hat? Ich bückte mich zu ihr herunter, verrieb etwas Kraut zwischen den Fingern – wieder war ich überwältigt, wie intensiv sie tatsächlich nach Coca-Cola riecht. Der verrückte Duft ohne die klebrigen Kalorien. Sie spriesst munter. Das macht mich munter.





Tratsch über Chat

Lorenz Keller, Digital-Redaktor

Nicht immer sind Tech-Keynotes spannend. Länglich referiert etwa ein CEO über die Qualitäten einer Handykamera und zeigt Bilder, die nur ein Profi-Fotograf hinbekommt. Sitzt man im Saal, ist man der PR-Maschinerie zwei Stunden lang ausgeliefert. In Corona-Zeiten gibts die News nun per Videostream. Einer der Vorteile: Man kann auch mal wegschauen und lästern. Etwa im Chat mit den geschätzten Kollegen der Konkurrenz. Und plötzlich sind Klatsch und Tratsch viel unterhaltsamer als die Produkte-Präsentation.





Chapuisat-Comeback

Marcel W. Perren, Ski-Reporter

Dass Corona auch den Fussball lahmlegt, kommt mir als Fan von Hollands Nationalmannschaft nicht ungelegen. Weil Topstürmer Memphis Depay an einer Knieverletzung laboriert, hätte ich für meine Oranje im Sommer bei der Euro schwarzgesehen. Jetzt kann sich mein Hoffnungsträger auskurieren. Und ich komme trotzdem in den Genuss von traumhaft schönen Fussball-Momenten. Im Sport-TV werden seit Tagen anstelle von Live-Spielen alte, aber köstliche Fussball-Konserven geöffnet. Ich habe letzte Woche drei Mal den EM-Final 1988 geschaut, in dem Marco van Basten mit seinem Jahrhunderttreffer gegen die Sowjetunion Holland zum Europameister schoss. Freuen dürfen sich auch die Fans der Schweizer Nati: In den nächsten Tagen werden auch die Spiele der WM 94 zu sehen sein. Chapuisat, Knup, Sforza und Sutter haben mehr Freude gemacht, als das die Auswahl von Vladimir Petkovic tut.





Auf dem Vita Parcours

Flavia Schlittler, stv. Ressortleiterin People

Mein Lebenspartner Felix und ich machen Homeoffice. Die Fitnesscenter sind zu, also haben wir uns entschlossen, auch bei 3,5 Grad auf den Vita Parcours zu gehen. Unter der Bedingung, dass Felix mich nach Hause fährt, falls mir zu kalt wird. Was es auch wurde. Und doch sagte ich mir: Halte durch. Wir waren inmitten eines wunderschönen Waldes, bei machbaren Übungen und frischer Luft. Dazu das Gezwitscher der Vögel. Eine Stunde schenkte uns das Gefühl von Ferien.





Viel los am Tresen

Fabienne Kinzelmann, Auslandredaktorin

Am Montag traf ich mich mit Freund Friedrich am Telefon-Tresen. Ich trank Weinschorle, er knabberte Erdnüsse. Weil wir weit auseinander wohnen, aber trotzdem viel zu bereden haben, machen wir das regelmässig. Seit alle immer zu Hause sind, hat Friedrich Konkurrenz am Telefon-Tresen. Es ist so praktisch: Alle sind endlich erreichbar. Kein langes Verabreden mehr, kein kurzfristiges Schieben. Ein Telefon-Date konkurriert nicht mehr mit dem Fitnessstudio, nicht mit dem Feierabendbier. Mein Wohnzimmer mag klein sein, meine Möglichkeiten sind endlos.





Ausmisten

Johannes Hillig, Redaktor News

Volle Schubladen in der Wohnung, und im Keller sieht es nicht besser aus. Schon lange wollte ich da mal Ordnung schaffen. Die Zeit dafür habe ich aber nie gefunden. Wirklich Lust hatte ich auch nicht – bis jetzt. Ich habe Kartons durchforstet, Unterlagen gesichtet und dabei verloren geglaubte Schätze wiederentdeckt. Aber natürlich auch viel Krimskrams ausgegraben. Einiges landete im Müll, anderes hat jetzt seinen Platz. Und was soll ich sagen: Es hat sich gelohnt.





Überraschungspaket

Ulrich Rotzinger, Leiter Wirtschaftsressort

Gross war die Enttäuschung, der Abschluss dann versöhnlich. Mein Ältester musste am 13. März seinen zehnten Geburtstag – der Bundesrat verkündete gerade die Schliessung der Schulen – praktisch allein feiern. Der Papi lag mit Grippe im Bett, Gschpänli blieben daheim, ebenso die Grosseltern. Und mit ihnen die Glückwünsche und Geschenke. Tränen, Enttäuschung – bis der Pöstler am Nachmittag anklopfte: Das Geburtstagspaket der Tante aus Deutschland hat es noch rechtzeitig in die Schweiz geschafft. Der Tag war gerettet.





Büro ahoi!

Thomas Benkö, stv. Chefredaktor Blick.ch

Seit Jahr und Tag fahre ich mit dem Velo zur Arbeit. Und endlich ist Bike2Work bundesrätlich erwünscht. «Nutzen Sie wo immer möglich den Langsamverkehr (zu Fuss, Fahrrad, E-Bike) für den Arbeitsweg», heisst es. Aye, aye, Sirs and Madams! Ich erlaube mir sogar, die 7-Kilometer-Strecke zu verlängern, via Zürichsee-Fähre Horgen–Meilen. Die ist seit Corona gratis, jedenfalls für Velofahrer. Das Personal soll von verschwitzten und verschnieften Gümmelern kein Münz annehmen. 35 Kilometer, um den Kopf durchzulüften. Danke!





Endlich Zitronen-Tarte

Franziska Pahle, Deskleiterin People

Hat man Spätschicht, reicht es knapp, das letzte lauwarme Curry beim Vietnamesen um die Ecke abzustauben. Nun habe ich Zeit, durch Rezepte zu stöbern. Ich hatte vergessen, wie viel Freude mir Kochen bereitet. Eine japanische Miso-Ramen-Suppe (weil die Ferien in Tokio gestrichen wurden) oder Zitronen-Tarte (an die hatte ich mich nie getraut). Statt dass es am Abend schnell gehen muss, kann ich jetzt locker drei Stunden in der Küche verweilen. Ausserdem geht Kochen wunderbar zu zweit. Am Sprichwort «Liebe geht durch den Magen» ist halt doch etwas dran.





Ausschlafen

Marco Lüssi, Blattmacher

In der Zeit vor Corona, damals, als Kinder noch die Schule besuchten mussten, begann der Tag bei uns zu Hause jeweils mit einem schwierigen Unterfangen: unsere Tochter wachkriegen. Sie ist halt nicht so eine Frühaufsteherin. Ihre Anstrengungen, aus dem Bett und dann auch noch aus dem Pyjama zu kommen, mussten eng begleitet und im Minutentakt auf Fortschritte überprüft werden. Wenigstens diesen frühmorgendlichen Stress haben wir jetzt nicht mehr: Seit sie daheim lernt, haben wir den Schulbeginn auf 9 Uhr verlegt. Bisher war sie immer pünktlich.





Die Tiere werden frecher

Erich Morger, Blattmacher Sport

«Ist die Katze aus dem Haus, tanzen die Mäuse auf dem Tisch.» Sie sollte umgeschrieben werden, diese bekannte Redewendung. Mein Vorschlag: «Bleibt der Mensch im Haus, tanzen die Mäuse im Garten.» Aber auch ohne uns, die Party bleibt gefährlich für die Mäuse. Mit jedem Tag mehr, an dem wir Menschen uns in den Häusern verstecken müssen, schwebt ein Rotmilan ein paar Meter tiefer über dem Garten meiner freundlichen Nachbarin. Sorry, ihr tanzenden Mäuse, aber ich beobachte den Greifvogel durchs Fenster mit einem Lächeln, wie er euch und mir Tag für Tag näher kommt.





Tanzen, bitte mit Gummi

Katja Richard, Redaktorin People

Rosa Gummihandschuhe an, in die Abwaschbürste singen und lostanzen: Weil wir uns nicht treffen können, haben meine Freundinnen und ich eine tägliche Video-Challenge unter dem Motto «Nöd ganz putzt» gestartet. Meine Performance zu Freddie Mercurys Hymne «I Want to Break Free» ist bis jetzt das Highlight. Das Filmli sollte allerdings den privaten Raum nicht verlassen, sonst bleibe ich womöglich noch länger von der Umwelt abgeschirmt.





Sport steht still?

Roman Geissmann, Teamleiter Respeaking Blick TV

«Brot und Spiele braucht das Volk.» Schon die Römer wussten es. Der Sport steht still, doch wir Bewegungsmenschen wissen uns zu helfen: Toilettenpapierchallenge, Technik-Parcours in der Wohnung, Joggen mit der Freundin, Yoga mit Youtube-Instruktion, Fitness mit Dave Dollé – so vieles, das uns bei Laune hält. Und am Abend gräbt SRF Sport-Perlen aus dem Archiv. Hoch lebe der Sport! Jetzt mehr denn je.





Der Druck ist weg

Anastasia Mamonova, Redaktorin News

Jeden Frühling dasselbe: Kaum scheint die Sonne und die Temperaturen steigen, strömt die ganze Schweiz nach draussen. Und ich kriege ein schlechtes Gewissen, weil ich mir lieber einen gemütlichen Nachmittag auf der Couch gönne. Jetzt ist der soziale Druck, draussen etwas unternehmen zu müssen, endlich weg. Man darf es sich vor dem Fernseher, mit Buch auf Balkonien oder auf der Yoga-Matte in den eigenen vier Wänden gemütlich machen, ohne sich darum zu sorgen, etwas zu verpassen. Zu Hause ist es doch sowieso immer am schönsten.

Houseparty

Manuel Kellerhals, Redaktor People

Meine Freundin ist der sozialste Mensch, den ich kenne. Sie hat mehr Freunde, als ich zählen kann, und liebt es, in möglichst grossen Gruppen zusammenzusitzen. Deshalb schlägt ihr die aktuelle Situation sehr aufs Gemüt. Durch die Videokonferenz-App «Houseparty» konnte sie sich jetzt trotzdem mit ihren Freundinnen zu einem Glas Rotwein treffen. Und ihre Freude darüber brachte etwas Normalität in die Zeit der Corona-Krise – auch für mich.

Jeder hat Zeit

Stephan Roth, Eishockey-Chef

Wenn man sonst versucht, Interviewpartner zu erreichen, kann das zur Geduldsprobe werden. Jetzt kommt die Antwort auf die Frage, ob jemand Zeit und Lust für ein Gespräch habe, meist prompt: «Klar! Ich habe eh nichts anderes zu tun.»





Durchatmen

Vanessa Büchel, Redaktorin Leben

Während ich sonst von einem Termin zum anderen eile, sind nun alle Treffen gestrichen. Am Wochenende erwartet mich so viel freie Zeit, wie ich sie seit meiner Kindheit nicht mehr hatte. Lesen, spazieren, backen, ein Bad nehmen – so viele Dinge, die ich jetzt tun kann. Auch wenn ich meine Freundinnen vermisse und freitagabends nur noch per Videocall mit dem wohlverdienten Glas Wein angestossen wird – es tut gut, einfach mal innezuhalten, nur für mich zu sein und nichts zu tun. Sich treiben zu lassen und nicht daran zu denken, welche Uhrzeit gerade ist. In all der Hektik habe ich völlig vergessen, wie gut sich das anfühlt.

Ukulele dank Corona

Nicola Imfeld, USA-Korrespondent

Als ich im Sommer 2018 für BLICK in die USA aufbrach, habe ich mir nach der Ankunft eine Ukulele gekauft. Das ist ein gitarrenähnliches Zupfinstrument mit vier Saiten. Easy, dachte ich. Einfach mal etwas versuchen. Passt doch zum kalifornischen Lifestyle. Knapp zwei Jahre später habe ich in Corona-Quarantäne nun erstmals an dieser Ukulele herumgezupft. Mittlerweile kann ich schon einige Songs. Nur den Gesang sollte wohl besser jemand anderes beisteuern – das wird auch in Quarantäne nichts mehr.

Virtuelles Feierabend-Bier

Andreas Böni, Fussball-Chef

Als Fussball-Redaktion mit neun Personen, Sieben-Tage-Betrieb, Morgen- und Abendschichten und vielen Reisen sehen wir uns selten. Nun entdecken wir mit den Videokonferenzen eine neue Gesprächskultur. Und es wird sogar ein wenig privater. Am Donnerstag haben wir zu neunt ein virtuelles Feierabend-Bier getrunken. Kinder und Frauen huschten immer wieder durchs Bild. Es wurde gewitzelt, etwa weil ausgerechnet Wein-Kolumnist Alain Kunz nur Grapefruit-Saft trinken wollte («ich muss noch auf den Ergometer»). Die Fussball-Redaktion hat sich über Wochen nicht gesehen. Trotzdem haben wir das Gefühl, uns selten so nah gewesen zu sein.

Fünf Stunden

Alain Kunz, Redaktor Fussball und Wein

In einer normalen Welt ist der ständige Blick auf Uhr und Handy beider Beteiligten stetiger Begleiter eines Interviews. Limitierte Zeit, limitierte Aufmerksamkeit. Doch nun? Ein Treffen mit dem Zürcher Weinhändler und -produzenten Marc Landolt für eine Story über die Viruskrise in der Weinbranche. Von 10.30 Uhr bis Mittag war veranschlagt. Am Ende diskutieren wir (praktisch weinlos) fünf Stunden. Inklusive Ausflug in die Reben. Es sei schön gewesen, für einmal weniger gestresst zu sein, sagte der Interviewpartner hinterher. Auch ich hatte wirklich Zeit. Und die Botschaft von Weinhändler Landolt beeindruckt: «Ich erleide gerade eine Umsatzeinbusse von 85 bis 90 Prozent. Aber ich will nicht klönen.» Warum nicht? «Weil es nichts bringt …»

So viel Austausch

Janosch Tröhler, Leiter Community-Team

Dass viele Leserinnen und Leser zum Homeoffice verdonnert wurden, spüren wir auch auf Blick.ch. In den letzten Tagen hat sich die Zahl der Kommentare zu unseren Artikeln verdoppelt. Auch wenn es mehr Aufwand bedeutet: Es freut uns unheimlich, dass so viele Menschen bei uns mitdiskutieren, streiten und sich austauschen. Ohne sie wäre alles deutlich langweiliger.





Glitzer gegen Corona

Helena Schmid, Volontärin News

Als das Fieberthermometer 38 Grad zeigte, mussten wir das Ferienhaus verlassen. Es sei zu gefährlich, sagte mein Freund. Seine Eltern seien doch auch hier – Risikogruppe. Ich setzte mich auf den Beifahrersitz. Die Sonne näherte sich dem Horizont. Er setzte die Sonnenbrille auf. Ich liess das Licht auf mein Gesicht fallen. Wir fuhren an einem Weiher vorbei. Im Radio spielte Led Zeppelin. Die Sonnenstrahlen spiegelten sich im Wasser. Ich vergass Fieber, Angst und Trübsal. Der Sumpf neben der Autobahn glitzerte.





Schöne Schadenfreude

Anian Heierli, Reporter Zentralschweiz

Als BLICK-Reporter arbeite ich seit vier Jahren hauptsächlich von zu Hause aus. Deshalb musste ich mir immer wieder Sprüche von Kollegen im Büro anhören: «Wir sitzen nicht im selben Boot. Du hast eine Hängematte.» Nun stelle ich mit einer gewissen Genugtuung fest, dass manche merken: Homeoffice ist eben doch nicht so chillig.

Alte Schule

Michael Sahli, Reporter News

Von meinem Nachbarn habe ich letzte Woche einen Poschtizettel bekommen, wie man ihn von einem pensionierten Uhrmacher erwartet. Alles war exakt in der Reihenfolge aufgeschrieben, wie die Produkte dann tatsächlich im Laden angeordnet waren. Dazu kurze Anweisungen, wo im Gestell das gesuchte Joghurt genau steht. Sein Einkauf reichte dann auch für die ganze Woche. Im Gegensatz zu meinem zusammengewürfelten Haufen Spontankäufe. Eine Lektion über die Vorteile der alten Schule, die ich ohne Corona nicht bekommen hätte.

Sohn und Vater

Tobias Stepinski, Praktikant News

Ich mag mich gut an die Zeit als Kind mit meinem Vater erinnern. Stundenlang haben wir miteinander geredet und dazu Sirup geschlürft. Doch ich bin erwachsen geworden und habe die Gespräche nicht mehr gebraucht – dachte ich zumindest. Jetzt arbeiten wir beide im Homeoffice. Wir sitzen den ganzen Tag vor unseren Laptops. Abends legen wir das Handy auf die Seite und führen tiefe Gespräche über Gott und die Welt. Wie früher. Nur: Wir trinken dazu ein kühles Bier.

Hilfe, ich spaziere!

Daniel Leu, Blattmacher Sport

Ja, ich gebs zu. Bewegung ist normalerweise nicht so mein Ding. Doch seit ich den ganzen Tag im Homeoffice sitze, gehe ich zwischendurch spazieren. Freiwillig! Täglich! Was das Erschreckende daran ist? Es macht mir Spass. Muss ich mir deshalb Sorgen machen?

Fröhlicher Marathon

Manuela Burgermeister, Tagesleiterin Blick TV

Wohl seit meiner Teenager-Zeit habe ich nicht mehr so häufig telefoniert wie jetzt. Die stundenlangen Gespräche von früher waren längst abgelöst von kurzen Whatsapp-Nachrichten, die sich meist um Organisatorisches drehten. Nun aber telefoniert die ganze Familie täglich mit dem Urgrosi, der Tante, dem Gotti, der Freundin, den Grosseltern oder den Spielkameraden. In den letzten Tagen haben wir zusätzlich die Videotelefonie entdeckt. Wenn dann der Grosspapi Faxen macht und die Cousine Grimassen schneidet, entlockt das unserem Dreijährigen ein fröhliches Kichern. Was für ein schönes Geräusch.

Vorfreudig

Flavio Razzino, Reporter News

Für ein Kind einer Grossfamilie sind das (auch) harte Zeiten. Fast tägliche Besuche da und dort? Gestrichen! Und wer trinkt schon gern einsam ein Glas Wein? Aber: Plötzlich ist der graue Alltag etwas geworden, das ich herbeisehne. Nicht die längst geplanten Ferien in der Karibik sorgen für freudige Nervosität. Sondern der Gedanke an den Moment, wenn wir wieder täglich ins Büro arbeiten gehen können. Oder mit den Eltern und Fast-Schwiegereltern abends ohne Bussenandrohung eine umkämpfte Runde Briscola spielen dürfen.





Dr Göttibueb

Alexandra Fitz, stv. Leiterin SonntagsBlick Magazin

Er liegt im Kinderwagen und strahlt mich an. Egal, was ich für Faxen mache, er lacht. Dann brabbelt er vor sich hin und trainiert seine Stimme. Wenn ihn die Sonne blendet, windet er sich wie ein Vampir. Wird der Weg kiesig, holpert der Wagen, und der Kleine schlummert unter der Dächlimütze weg. Die Mittags-Spaziergänge mit dem achtmonatigen Göttibueb, das Spielen morgens um 8 Uhr und das Pyjamälä um 18 Uhr – alles Dinge, die ich erleben kann. Es sind die Dinge, die mich in dieser Zeit glücklich machen und hoffen lassen.

Jass-Runde im Netz

Marc Iseli, Ressort Wirtschaft

Kein Squash. Kein Kontakt zu Nichte und den drei Neffen. Die Grosseltern bleiben den Grosskindern fern. Und trotzdem gibt es einen sozialen Lichtblick: Die Jassrunde findet an diesem Samstag statt. Einfach im virtuellen Raum. Eine Konferenzschaltung mit den alten Bekannten aus der Gymi-Zeit macht es möglich und sorgt für Nähe, wo aktuell Distanz herrscht. Für einmal haben fast alle Zeit. Acht Personen sind angemeldet. Ich freue mich darauf, freue mich auf den Austausch und auf ein Stück Normalität im Ausnahmezustand.





Homeoffice mit Hund

Sonja Zaleski-Körner, Praktikantin Ressort Leben

Bei der Arbeit von zu Hause aus fehlt natürlich das Miteinander mit den Kolleginnen und Kollegen, an das man sich auch als Praktikantin schnell gewöhnt hat. Die Teambesprechungen im Videocall ermöglichen aber weiterhin, sich täglich zu sehen und auszutauschen, was während des Social Distancing wirklich guttut. Wer das Glück hat, einen so anhänglichen Hund wie meine Bulldogge Cookie zu besitzen, die zu Hause immer direkt neben (oder auf) mir liegt, dem fällt das Arbeiten aus dem Homeoffice relativ leicht. Dadurch fühlt man sich nicht so einsam in der Wohnung, und in den Pausen geht es zusammen in den nahe gelegenen Park. «Der beste Freund des Menschen» hat den Titel wirklich verdient!





Eine Dosis Glück

Redaktorin SonntagsBlick Magazin

Ich kam vom Joggen. In der Hand einen kleinen Waldstrauss mit schönen Ästchen. Auf dem Weg zurück zu meiner Wohnung sah ich im dritten Stock eines Hauses einen alten Mann am Fenster stehen. Als ich näher kam, sah ich, dass er lächelte. Ich blieb einen Moment unter seinem Fenster stehen, lachte zurück und winkte ihm mit meinem Strauss. Der alte Mann winkte lachend zurück. Eine kurze Begegnung. Sie wärmte mein Herz, bis ich wieder zu Hause war.





Freiwillig geputzt

Corine Turrini Flury, Redaktorin Ressort Leben

Unaufgefordert haben am Wochenende meine Tochter und mein Mann erstmals freiwillig den Staubsauger angeworfen und die Böden gemeinsam feucht aufgenommen, während ich im Garten war. Die Krise muss wirklich ernst sein, wenn bei uns freiwillig geputzt wird! Etwas Humor kann – trotz allem – nicht schaden.





Champagner-Lieferung

Roman Neumann, stv. Nachrichtenchef

Meine Mutter sieht zwar keinen Tag älter als 54 Jahre aus, wurde aber am Montag schon 64. Und nur drei Tage später pensioniert. Eine Woche der Freude also! Die wir Söhne nicht mit ihr persönlich teilen durften. Was tun? Noch rechtzeitig brachten wir einen Champagner dem Vater vorbei, der diesen mit den Geschenken auf den Stubentisch stellte. Und voilà: Die unzähligen Herzchen und Küsse, die Mutter uns digital übermittelte, entschädigten ein bisschen über die reale Distanz hinweg.

Alles ist möglich

Claudia Gnehm, Stv. Wirtschaftsleiterin

So unschweizerisch: Plötzlich kann ich Leute fragen, ob sie Hilfe brauchen, und sie nehmen sie sogar an. In Gesprächen geht es um die grossen Fragen: Wer hat bei einer Triage das Recht zu leben? Was opfern wir wirtschaftlich, um Menschenleben zu retten? Es fühlt sich an, als ob es den meisten jetzt wirklich um Menschenleben gehe – sich selber zurücknehmen für ein grösseres Ziel. Ich hatte noch nie so stark das Gefühl, dass alles möglich ist und alle Widerstände (auch Corona) mit einem gemeinsamen Willen überwunden werden können. Dieses Gefühl ist wunderbar.





Immer im Bild

Patricia Broder, Redaktorin People

Normalerweise telefoniere ich ja auf die klassische Weise – mit Ton und ohne Bild. Doch die Corona-Zeit hat mich zu einer begeisterten Videochat-Nutzerin gemacht. Egal, ob Grimassenschneiden mit meinen Göttikindern, Homeworkout mit dem Fitnesstrainer, Interviewsführen oder Karaokespiele mit meinen besten Freunden. Die Kamera unserer Smartphones macht es möglich, dass wir uns nicht nur hören, sondern eben auch sehen. So können wir uns in dieser schwierigen Zeit auch ein Lächeln schenken und bleiben trotz Isolation nah beieinander.





Isolation im Kern

Michel Imhof, Redaktor People

Ich lebe in einer Zweier-Wohngemeinschaft. Doch während dieser Zeit haben wir uns mit Freunden, die im selben Haus wohnen, zu einer kleinen, erweiterten Wohngruppe zusammengeschlossen. Wir isolieren uns gemeinsam und verzichten auf soziale Kontakte ausserhalb. Nun kochen wir mit- und füreinander, machen Spieleabende, trinken Prosecco und durchleben diese turbulente Zeit als Gemeinschaft und nicht allein. Noch nie war ich froher, ein Teil dieses von uns liebevoll so genannten «Kern»-Hauses zu sein.

Prominente Hilfe

Sermîn Faki, Politikchefin

Der Rückruf von FDP-Nationalrätin Jacqueline de Quattro (59) liess auf sich warten. Sie hatte per SMS geschrieben, dass sie in 30 Minuten zurückrufen werde – daraus wurden drei Stunden. «Entschuldigen Sie, ich mache die Einkäufe für alle meine betagten Nachbarn – sie sollen ja nicht mehr vor die Tür», entschuldigte sich die ehemalige Waadtländer Regierungsrätin leicht abgehetzt. Die Poschtizettel waren so umfangreich, dass es eben länger dauerte. In anderen Staaten undenkbar, dass ein Ministerpräsident oder eine Gouverneurin für andere einkaufen geht. In der Schweiz ganz normal. Wunderbar.





Zusammen reisen

Carolina Estibeira, Praktikantin Blick TV

Ein kleiner Traum wird wahr. Seit meiner Kindheit haben mich die Disney-Klassiker begleitet. Von «Schneewittchen» bis zu «König der Löwen» habe ich alle gesehen. Endlich kann ich mit dem neuen Streamingdienst Disney+ diese Klassiker erneut gemeinsam mit meiner Familie schauen. Ohne schlechtes Gewissen. Und reisen können wir irgendwie trotzdem. Mit Aladdin und Jasmin flitzen wir auf dem fliegenden Teppich über Agrabah, während wir im nächsten Moment mit Mogli und Balu durch den Dschungel laufen.

Alte Freunde

Myrte Müller, BLICK-Büro Tessin

Mitgefühl und Sorge wecken alte Freundschaften wieder auf. In diesen Tagen erreichen mich Nachrichten und Anrufe von Menschen, die ich in den vergangenen Jahren aus den Augen verloren hatte. Sogar aus dem fernen Japan.

Full House

Laurence Frey, Praktikantin Community-Team

Seit zwei Wochen arbeiten meine Geschwister und ich im Homeoffice, weshalb unsere fünfköpfige Familie ständig zu Hause ist. Was soll ich zur Stimmung sagen? Nun ja, teilweise ein bisschen gereizt. Schliesslich sind wir es alle nicht mehr gewohnt, ständig aufeinanderzusitzen. Das Positive an der ganzen Situation ist aber, dass wir nun jeden Tag alle zusammen essen und wieder einmal Zeit miteinander verbringen.

Badezimmer frei

Jenny Wagner, Praktikantin Ressort Wirtschaft

Plötzlich ist es still in der WG. Alle Mitbewohner abgereist. Die Selbstisolation beginnt. Nach ein paar Tagen dann der neue Alltag. «Alexa, spiel Musik», sage ich, und die Tanzparty am frühen Morgen beginnt. Ich koche neuerdings mit frischen Zutaten und geniesse den Platz in der Küche. Keiner blockiert das Badezimmer, wenn ich duschen will. Abends rufe ich jemanden an, egal ob die Omi oder die beste Freundin. Irgendwie ist da plötzlich eine ganz andere Form von Nähe und Wertschätzung – trotz Abstand.

Es lächelt der See

Ernst Kindhauser, Blattmacher Sport

Das Unglück des Menschen hat eine einzige Ursache, notierte ein kluger Kopf, er kann nicht ruhig im Zimmer bleiben. Der Mensch heisshungert nach Bewegung, Zerstreuung auch, zumal in diesen Zeiten. Berufsbewegte wie Sportler leiden besonders unter Eingeschlossensein, wie ihre Leibesübungen auf Netzwerken bezeugen, die sich sozial nennen, obwohl ihr Ehrgeiz darin besteht, ihre Kunden asozial zu behandeln. So inszenieren sich Sportler schwimmend in der Badewanne und mit WC-Rollen kickend. Solch skurrile Bedürfnisse sind mir fremd, ich fahre zum See, in dem ich dereinst ewig ruhen werde. Wärme mich auf, bis der Puls pocht, ziehe Neopren-Anzug und -Kappe an und stürze mich ins eiskalte Gewässer. Nur raus hier, mein erster Gedanke, dem ich aber widerstehe, wohl aus triathletischer Unvernunft. Ich erhöhe die Frequenz, crawle rhythmischer, schneller. Jetzt erwacht in seliger Lust das Wasser mir um die Brust. Flow-Gefühle. Zwei Kilometer rauf und runter, Tempo Teufel. Zurück am Ufer wartet meine Gefährtin, sorgenvoll der Blick, in den Händen allerlei Wärmendes. Hernach staunen wir, windgeschützt, besonnt und kaffeetrunken, ins Paradies vor unseren Augen. Es lächelt der See, es herrschet Ruh, derweil tiefgekühlte Extremitäten kribbelnd auftauen.

Näher dran

Dominik Hug, Ressortleiter Unterhaltung

Altmeister wie Bob Dylan, Neil Young und Willie Nelson gebärden sich so kreativ wie lange nicht, sie veröffentlichen auf ihren Kanälen neue Musik oder laden ihre Fans zu intimen Heimkonzerten ein. Aber auch einheimische Stars wie DJ Antoine oder Luca Hänni musizieren fröhlich aus ihren Stuben und lassen Blick-TV-Zuschauer daran teilhaben. Die Fans zu Hause erkennen überraschend neue, meist positive Seiten ihrer Stars. So nah dran war man ihnen in früheren Zeiten nie.





Rote Ampeln

Karin Wenger, Reporterin Community

Ich bin ein Velo-Rowdy. Im Auto verfluche ich Velofahrerinnen wie mich. Ich überfahre immer wieder rote Ampeln und bremse an Fussgängerstreifen nur für Kinder und alte Menschen. Eigentlich bin ich grundanständig, wirklich, meine Freunde werden das bestätigen. Ich bin aber auch notorisch zu spät. Der Corona-Stillstand hat alles verändert. Ich warte an Kreuzungen auf das grüne Licht, blinzle in die Sonne und geniesse jede Minute, die ich länger draussen bin. An den tiefen Puls könnte ich mich gewöhnen.

Alte Leidenschaft

Sven Ziegler, Journalistenschüler

Irgendwo zwischen verstaubten anderen literarischen Werken taucht es auf. Ein Buch, das ich vor Jahren gekauft, aber nie gelesen habe. Das Lesen von Büchern, früher eine meiner Lieblingsbeschäftigungen, ist irgendwo im stressigen Alltag vergessen gegangen. Nun aber ist der Kalender leer, plötzlich ist wieder Zeit da. Also nehme ich das Buch zur Hand, tauche ein in die Geschichte und vergesse die Zeit um mich herum. Die Leidenschaft zum Geschriebenen, sie erwacht plötzlich wieder. Bücher werden mich auch nach Corona-Zeiten weiter begleiten. Dieses Mal aber ohne Staub auf dem Umschlag.

Funky

Anne Grimshaw, Redaktorin Leben

Seit es ernst gilt, darf ich meine Eltern nicht mehr besuchen: Mein Vater gehört zur Risikogruppe, ich wohne in einem Studentenheim mit hundert anderen jungen Menschen. Aber es gibt neue beziehungsweise alte Wege, miteinander zu kommunizieren: Wenn mein Vater bei seiner Mittags-Velotour auf dem Uetliberg ankommt, bestellt er mich immer auf die Dachterrasse des Studentenheims. Dann testen wir seine Funkgeräte. Schaffen wir es vom Uetliberg über den Zürichsee bis zu mir? Und was passiert, wenn er es vom Hasenrain aus probiert? Eine lustige Tradition, auf die wir unter anderen Umständen nicht gekommen wären.





Die Nachbarin

Markus Senn, Bildredaktor

Diese Woche erhielt ich einen Brief von der Nachbarin aus dem Erdgeschoss. Als Angehörige der Risikogruppe (altersmässig) bleibe sie zu Hause und könne deshalb keine Botengänge in der Öffentlichkeit anbieten. Gerne teile sie jedoch mit uns Nachbarn ihre CD-Sammlung oder die reichhaltige Kunstbibliothek. Am meisten freuen würde sie sich jedoch über einen spontanen Schwatz auf ihrem Sitzplatz. Man solle einfach ans Fenster klopfen. Das tat ich, und wir unterhielten uns in übergebührendem Abstand über das allgegenwärtige Thema dieser Tage sowie über den glücklicherweise nie versiegenden Klatsch aus der Nachbarschaft.

Vertrauen, mein Sohn

Cécile Klotzbach, Redaktorin Sport

Louis ist zwölf. Zu jung, um auf seine Gewissenhaftigkeit zählen zu können. Aber alt genug, vieles besser zu wissen. Und viel zu cool, um seine Mutter an Schulgeschehen und Hausaufgaben teilhaben zu lassen. Tempi passati. «Mamaaaa» ist das meistgerufene Wort an jedem Vormittag, wenn sich der Sechstklässler durch den digitalen Ufzgi-Workflow kämpft. Classroom-Chat, Videokonferenz, Hangouts, Downloads und PDF-Konvertierungen. Mutter wird wieder gebraucht und ist auf dem letzten Wissensstand. Das Beste: Sie weiss wieder, dass sie ihrem Sohn vertrauen kann.

Deckenburg

Jenny Rieger, Podcastproduzentin

Eigentlich ging es um ein praktisches Problem: Wie nehme ich im Homeoffice Podcasts mit einigermassen annehmbarer Audioqualität auf? Eine schallschluckende Konstruktion musste her. Die Lösung ist nicht nur praktisch, sondern auch extrem gemütlich: eine Deckenburg! Im Wohnzimmer steht nun ein Zelt aus Wäscheständer, Bügelbrett, Sesseln und allen Decken, die ich finden konnte. Die Podcasts klingen super.

Karten, Bretter, Steine

Dominik Stroppel, Format-Team Blick TV

Wir haben es ausprobiert: Es ist chaotisch, aber auch sehr lustig. Man kann Gesellschaftsspiele auch per Videochat spielen. Eine befreundete Familie stellt die «Homebase»: Auf ihrem Küchentisch werden Karten verteilt, Spielbretter ausgebreitet oder Mah-Jongg-Steine aufgereiht. Strategisch günstig platzierte Laptops ermöglichen weiteren Mitspielern das Mitwirken aus der Ferne per Skype. Ein Spielpartner vor Ort übernimmt das Ausführen der Züge, das Ablegen der Karten oder das Ziehen der Mah-Jongg-Steine. Unser Stolz, allen technischen Tücken zum Trotz einen (halb-)digitalen Gesellschaftsspiel-Abend durchgeführt zu haben, ist gross und macht mindestens die Hälfte des Spassfaktors aus.





Freu(n)de im Wald

Andreas Hobi, Community Editor

Wär hätte gedacht, dass die Waldstücke in Zürich-Altstetten so schön sein können? Ich nicht, als ich im Februar mit zwei Freunden hierhingezogen bin. Und das hätte sich wohl auch nicht geändert, hätte die momentane Situation mich nicht fast gezwungen, diesen menschenarmen Teil Zürichs genauer zu erkunden. Mittlerweile kann ich mir kaum etwas Schöneres nach einem langen Tag im Homeoffice vorstellen, als allein oder mit den WG-Kumpels einen Spaziergang durch den lichten Wald zu machen inklusive zahlreicher Feuerstellen, Naturschutzgebiete und Teichs.

Luft in den Lungen

Silvia Tschui, Redaktorin SonntagsBlick Magazin

Patchworkfamilien müssen aktuell Wege finden, die Kinder hin und her zu bringen, trotz Selbstisolation. Die nette Nachbarin bietet das Cargobike an, denn Tram fahren wir nicht mehr. Und als normalerweise Nicht-Velofahrerin und Fitnessmuffel ist die Wiederentdeckung von Fahrtwind, Sonne im Gesicht und Bewegung schiere Freude. Diese Zeit zeigt, wie wenig es braucht, um überwältigende Glücksgefühle zu entwickeln: Nur schon, dass man einen schmerzfreien Körper hat, der funktioniert, und Lungen, die sich brav füllen, sind ein Grund zum Jauchzen. Das Leben ist schön!





Routinen und kleine Lichtblicke

Laura Barberio, Freelance Social Media

Vor anderthalb Monaten habe ich mit meiner besten Freundin begonnen, regelmässig Sport zu treiben. Schon damals, jeder für sich. Fast jeden Tag ein Homeworkout mit einfachen Übungen. Wer hätte gedacht, wie froh wir in ein paar Wochen über diese neue Routine sein würden? Kürzlich haben wir beschlossen, bald über Videochat zusammen zu trainieren und anschliessend ihre neue Anstellung mit einem Glas Prosecco zu feiern. Ich freue mich darauf!





Das neue Kochen

Barbara Ehrensperger, Redaktorin Leben

Viertel vor zwölf? Oh, nein, die Kinder kommen in zwanzig Minuten nach Hause. Schnell, was kann ich aus dem Kühlschrank nehmen und aufwärmen? Dieses Gehetze ist nun weg. Die Kinder kochen mit grosszügiger (Abwasch-)Hilfe von ihrem Vater jeden Mittag für die ganze Familie. Zuerst Dinge wie Pizza-Schnecken, wagten sie sich heute an selbst gemachte Chicken-Nuggets und selbst gemachte Pommes aus frischen Kartoffeln. Es war köstlich. Für morgen wurde frische Pasta angekündigt – ich freue mich nun jeden Mittag auf Viertel vor zwölf.





Schritt für Schritt

Carla De-Vizzi, Praktikantin News

Leute, die Spazieren als Hobby nennen, habe ich bis vor kurzem belächelt. Das machen doch nur Rentner oder Langweiler, dachte ich. Seit dem Lockdown gehöre auch ich zu den tüchtigen Spaziergängern. Und siehe da: Ich habe Freude daran! Der Frühling pirscht sich langsam heran, die ersten Blümchen verschönern die Wiesen, und die Sonnenstrahlen zaubern mir ein Lächeln ins Gesicht. Es fühlt sich schon fast wie Freiheit an.





Der Kater freut sich

Raoul Schwinnen, Redaktor Auto & Mobilität

Mir geht das verordnete Homeoffice auf den Senkel. Mir fehlen die auflockernden Gespräche an der Kaffeemaschine. Oder die kurzen Wege zu den Ressortkollegen. Aber des einen Leid, des andern Freud … Mein Kater, sonst meist allein zu Hause und am Abend daher äussert anhänglich, freut sich nun über meine ständige Anwesenheit. Und honoriert sie, indem er stundenlang treu auf dem Stuhl neben mir liegt – und schläft. Seine stille Anwesenheit und Nähe tun gut. Und umgekehrt offenbar auch.

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