Vom Verlagshaus zum digitalen Hotspot
Und auf dem internationalen Parkett hat der Ringier-CEO sein Unternehmen als digitalen Hotspot positionieren können, mit weltweit wertvollen Kontakten. Vielleicht zeigt all das aber auch, dass in der einheimischen Verlegergilde viele Exponenten noch weitgehend in ihrem alten druck- und printlastigen Geschäftsmodell verhaftet sind.
Im Ringier-Geschäftsbericht 2017 steht unter «Umsatz nach Erlösart in Prozent» die Währung, die die Hackordnung im Mediengeschäft in der Gegenwart prägt:
Von unten her löst sich das alte Geschäftsmodell langsam auf. Von oben her baut sich ein neues auf. Nur kann keiner sagen, wie schnell dieser Prozess abläuft. Klar ist nur, dass er läuft.
Wo diese Entwicklung in Zukunft hinführen wird, zeigt eine andere Zahl aus dem Zahlenwerk des Ringier-Konzerns. Im Jahr 2012, als die digitale Transformation im Hause an Fahrt aufgenommen hatte, lag der digitale Anteil an der Kennziffer Ebitda noch bei null Prozent. Ende 2018 liegt dieser bei 70 Prozent. Das zeigt: Ringier ist heute ein digitales Unternehmen. Als Nächstes soll es nun zu einer technologie- und datengetriebenen Firma werden.
Ein Platz mit Sicht in die Ferne
Im Sommer 2018 trifft sich die Familie in Merlischachen an den Gestaden des Vierwaldstättersees im Kanton Schwyz. Dort besitzen die Ringiers seit sieben Jahrzehnten ein prächtiges Anwesen. Das Gebäude im Landhaus-Stil grenzt über mehrere 100 Meter direkt ans Wasser. Davor steht der grosse Familientisch, der den Blick in die Weite freigibt. An diesem Tag, Ende Juli, ist die ganze Familie versammelt: Michael und Annette Ringier, Evelyn und Robin Lingg, Roman Bargezi und Marc Walder. Es ist aber nicht nur eine fröhliche Familienzusammenkunft.
Wieder einmal geht es um die Frage: Wie weiter mit Ringier? Es wird diskutiert und debattiert, zunächst draussen im Garten, später drinnen im Haus. Denn nach zehn Jahren digitaler Transformation im Unternehmen ist allen am Tisch klargeworden, dass sie einem grossen Trugschluss verfallen waren, als sie geglaubt hatten, die Transformation sei irgendwann vollendet, ja gemeistert.
Die Marktplätze für Autos, Immobilien und Jobs treiben zwar die Transformation voran. Bringen schöne Gewinne in die Firmenkasse. Aber nun, an diesem Sommertag, kann sich keiner am Tisch einer entscheidenden Erkenntnis verschliessen: Auch sie werden herausgefordert werden.
Viele Fragen, eine Antwort
Die Fragen am Familientisch der Ringiers sind an diesem Tag im Juli 2018 wieder die gleichen wie vor zehn Jahren. Wie geht es weiter? Will diese traditionsreiche Unternehmer-Familie die nächste Transformation wieder aus eigener Kraft in Angriff nehmen? Denn nach der letzten Disruption ist vor der nächsten Disruption. Die Wolken hängen bedrohlich schwer und dunkel über dem Vierwaldstättersee, als die Ringiers und ihr CEO am Familientisch um diese existenziellen Fragen ringen.
Am Schluss der Diskussion liegt die Antwort der Familie in Merlischachen auf dem Tisch.
Sie will.
Und das heisst: Das Ringen um Ringier – geht weiter.
Ende der Serie