Rad-Star, Komiker, Sexclub-Betreiber und jetzt Zirkus-Direktor: Beat Breu (61) über sein bewegtes Leben, Auftritte in Pflegeheimen und den Nachteil, ein Prominenter zu sein.

Daniel Leu (Interview), Benjamin Soland (Fotos) und Gabriel Vilares (Video)

Beat Breu, BLICK feiert 2019 seinen 60. Geburtstag. Sie wissen bereits, wie sich das anfühlt.

Beat Breu: Ich kann euch beruhigen, es tut nicht weh. Man rutscht einfach rüber.

BLICK und Breu – das war nicht immer eine Liebesbeziehung.

Ihr Journalisten schreibt positiv über einem, wenn man gut fährt. Aber wenn es mal schlecht läuft, dann gibts einen auf den Deckel. Doch hinter jedem Prominenten steckt ein Mensch. Das sind sich viele Journalisten nicht bewusst.

Im BLICK erschienen gegen 700 Schlagzeilen über Sie. Ich würde mit Ihnen gerne über die wichtigsten davon reden. BLICK vom 25. Juni 1989: «Tour de Suisse: Beat Breus Triumph».

Wenn du gewinnst, ist es immer schön. Nur gewinnst du leider meistens nicht. 1989 holte ich den zweiten Titel. Damals ging einfach alles auf. Ein Traum!




BLICK vom 7. April 1994: «Beat Breu wird Komiker».

Ich musste nach meiner Rad-Karriere etwas machen, um Geld zu verdienen. Mein Traum war es nie, auf der Bühne zu stehen. Ich bin sieben Jahre lang überall aufgetreten: an Firmenfeiern, an Geburtstagen, an Hochzeiten...

...und auch in Altersheimen!

Das stimmt. Lustig war das nicht immer. In den Pflegeheimen habe manche Zuschauer gar nichts mehr mitbekommen oder sind eingeschlafen. Trotzdem war es eine gute Zeit, für viele Menschen war das eine schöne Abwechslung in ihrem Alltag. Als Scherz habe ich immer gesagt: Am besten tritt man nur auf Dampfschiffen und in Gefängnissen auf. Da kann dir das Publikum nicht davonlaufen.

BLICK vom 27. Februar 2001: «Beat Breu macht Sex-Club auf».

Als ich als Komiker aufgehört hatte, musste ich was Neues machen. Ich passte nicht in dieses Geschäft. Meine Zeit im «Longhorn City» war trotzdem spannend. Ich habe sehr viel über die Doppelmoral der Schweizer gelernt.





SonntagsBlick vom 6. Mai 2007: «Beat Breu: Hirnschlag!»

Ach ja, das hatte ich ja auch noch. Das war knapp. Wir waren am Wörthersee im Urlaub. Ich stand auf und es hat mich «grad uf d’Schnöre ghaue» und mein Daumen hing einfach runter. Die Ärzte fanden zuerst nichts. Später entdeckten sie ein Loch im Herz, das ich offenbar seit meiner Geburt hatte. Seit der Herz-OP ist aber alles wieder gut.

BLICK vom 31. Juli 2013: «Breu konkurs!»

Darüber reden möchte ich eigentlich nicht mehr. Nur soviel: Schuld waren auch die Banken. Wenn du mal in den Maschen bist, kommst du bei denen nicht mehr raus. Die haben mich richtig reingelegt. Der Privatkonkurs war meine einzige Chance.

Berufliche Probleme, eine Herz-OP, der Konkurs – haben Sie sich oft gefragt: warum gerade ich?

Ich bin halt zu lieb und kann nicht nein sagen. Doch ich bin einfach so, ich kann das nicht ändern.

Welche Fehler haben Sie selber gemacht?

Wie schon gesagt – ich bin zu gutgläubig. Trotzdem wüsste ich nicht, was ich hätte anders machen sollen. Im Nachhinein ist es einfach zu sagen, was falsch war.

Wie würden Sie Ihr bisheriges Leben zusammenfassen?

Es war sicher nicht langweilig. Ich habe viel erlebt. Gutes, aber auch weniger gutes. Ich konnte aber immer leben und landete nie mit einer Schachtel irgendwo auf der Strasse.

Wie sieht Ihr Leben heute aus?

Ich lebe zusammen mit Heidi in einem Wohnmobil. Wir benötigen nicht viel, fahren selten in die Ferien. Das brauche ich auch gar nicht. Ich war in meinem Leben genug unterwegs. Mir ist es in der Schweiz am wohlsten.

Was passiert, wenn Sie heute in eine Beiz reinkommen?

Mal etwas Angenehmes, mal etwas Unangenehmes. Von Basel bis Chiasso, von St. Margrethen bis Genf – in der Schweiz kennt mich jeder. Das hat manchmal Vorteile, aber sehr oft auch Nachteile. Die, die unbedingt -berühmt werden möchte, denen würde ich gerne sagen: Überlegt euch das nochmals.

Sind Sie glücklich?

Ja, jetzt schon. Ich freue mich auf den Zirkus.

Viele Zirkusse kämpfen ums Überleben. Warum schaffen ausgerechnet Sie es?

Wieso nicht? Viele wollen zu gross sein. Ich will lieber klein und schön sein.

Was fasziniert Sie am Zirkus?

Ich ging schon als Kind immer gerne in den Zirkus und habe dafür sogar die Schule geschwänzt. Im Zirkus taucht man einfach in eine komplett andere Welt ein.

Treten Sie auch selber auch auf?

Nein, ich sage «Grüezi» und «Adieu». Mehr nicht, da gibt es andere, die das besser können als ich.

Was macht Beat Breu in zehn Jahren?

Mit 71? Keine Ahnung, vielleicht bin ich dann noch immer im Zirkus. Ich weiss es nicht. Und wahrscheinlich ist es auch gut, dass ich das nicht weiss.