Der einstige Zuckerbäcker gehört zu den erfolgreichsten Schweizer Musikern. Sein Lied «Chihuahua» wurde zum Welthit. Zum 60. BLICK-Jubiläum resümiert der Aargauer über wesentliche Schlagzeilen, die über ihn geschrieben wurden.

Flavia Schlittler (Text), Thomas Meier (Fotos), Tyron Kaiser (Video)

Vor 26 Jahren schrieb der BLICK als erste Schweizer Zeitung über René Baumann alias DJ Bobo. Seitdem sorgt der heute 51-Jährige immer wieder für Schlagzeilen. Positive, bittere und solche, die zum Nachdenken anregen. Mit seinem Geständnis, dass bei ihm die «Midlife-Crisis» anklopft, sorgt er nun für eine weitere. Zum 60. BLICK-Jubiläum blickt der Aargauer auf Artikel und Themen zurück, die in seinem Leben wichtig waren. Und er erzählt, was ihn sonst bewegt.



Kampagne zur Senkung von Arztkosten

«Den Slogan finde ich lustig, weil in der Schweiz mein Künstlername nun mal mit dem kleinen ‹Bobo› in Verbindung gebracht wird. Ich finde auch, dass viele dazu neigen, so schnell zum Arzt zu gehen und sich etwas verschreiben zu lassen. Das muss nicht sein.»


Umgang mit Kritiken

«Was über mich geschrieben wird, lässt mich mehr als kalt. Am Anfang war das ganz anders. Wenn du ein aufstrebender Künstler bist, denkst du: Wenn etwas Negatives über dich steht, ist alles vorbei. Mit der Zeit habe ich gemerkt, dass es, ganz egal ob nun etwas Positives oder Negatives steht, keinen Einfluss auf die Karriere hat. Das hat nichts mit dicker Haut zu tun, nur mit meiner Erfahrung.»


Positive Schlagzeilen

«Medien sind in der Emotionalität gleich wie Hitparadenplatzierungen. Wenn du ein Konzert gibst, hast du echte Menschen vor dir, das sind echte Gefühle. Bevor ich auf Platz 1 der Hitparade kam, dachte ich, da passiert jetzt ganz viel. Dann war es so weit, und ich fragte mich: Weshalb freue ich mich nun nicht darüber, flippe nicht aus und vergiesse keine Träne? Weil es einen eben nicht in der Emotionalität berührt – wie es auch Headlines nicht tun.»






20. Platz am Eurovision Song Contest 2007

«Das war emotional sehr enttäuschend, weil ich die Schweiz enttäuscht habe. Ich wollte sie alle stolz machen. Es ist, wie wenn 32 Mannschaften an eine WM gehen. Da sagen auch alle, ihr seid die Grössten, bringt den Pokal heim. 31 kehren dann mit hängendem Kopf nach Hause – wie ich. Wenn du für dein Land hinstehst und nicht abliefern kannst, ist das sehr hart.»



Sein grösster Hit «Chihuahua»

«In Mexiko denken die Leute, ich singe über ihre Stadt, in Europa denken Hundebesitzer, ich singe über ihren Vierbeiner. Doch bei dem Lied ist es gar nie um einen Hund gegangen. Ich habe ihn für einen spanischen Coca-Cola-Spot geschrieben. Im Bild ist ein Rastamann, der einen Schluck nimmt und ‹Chihuahua› sagt. Also nahm ich das Lied auf, uns es wurde ein Riesenhit. Später habe ich die Sprechrolle für den ‹Beverly Hills Chihuahua›-Hundechef übernommen.»







Hochzeit mit Nancy vor 18 Jahren

«Das Geheimnis unserer Beziehung ist, dass wir über alles sprechen. Es darf nichts im Raum stehen, das unausgesprochen ist und jemand in sich hineinfrisst. Wir kommunizieren sehr viel miteinander.»


Der Prophet gilt nichts im eigenen Land

«Das ist halt so. Es hat aber einen tiefen Grund, und der hat mit der direkten Demokratie zu tun, was sehr positiv ist. Wir haben hier eine flache Hierarchie, wo die Gemeinden genauso stark sind wie der Staat. Im Ausland geht es hierarchisch von oben nach unten. Bei uns wird es so gelebt, dass keine Leute herausragen, ausser im Sport. Entweder du gewinnst oder nicht, das ist messbar, nicht wie in der Kultur. Da wird alles diskutiert und beurteilt. Aber schade finde ich es nicht, sonst würde mit unserem Land etwas nicht stimmen. Für Künstler, die auf Schweizerdeutsch singe,n ist das sehr schwierig, weil sie sich ständig beweisen und rechtfertigen müssen. Ich stehe zu 95 Prozent der Zeit auf Bühnen in anderen Ländern, fülle nun zum 20. Mal das Hallenstadion. Aber wahrscheinlich wird es auch bei mir erst nach meinem Ableben heissen: Er war doch so ein toller.»


Ausgebrannt

«2003 war nach ‹Chihuahua› mein erfolgreichstes Jahr, doch meine Batterien waren leer. Ich habe mir dann bis 2005 eine Auszeit genommen. Viele haben das nicht verstanden. Sie meinten, ich müsse doch genau jetzt weitermachen. Doch ich konnte nicht, ich hatte die Energie nicht mehr. Natürlich ist es schwierig für all die Leute, die von dir abhängig sind, dies zu verstehen, und sicher auch nicht lustig. Es war wie bei Avicii, irgendwann weiss man nicht wie weiter. Wenn du dann ein Umfeld hast, das dir ständig sagt, du kannst jetzt keine Pause machen und musst die Erfolgswelle auskosten, werden deine Akkus leer. Den Moment, Stopp zu sagen, darf man nicht verpassen.»


Miami

«Im Winter, wenn es in der Schweiz grau und kalt ist, ziehe ich nach Miami. Aktuell haben wir Frühling, aber auch den mit 22 bis 23 Grad. Ich bin nun mit meiner Familie seit Januar hier. Es war eine echte Herausforderung, weil wir für die Kinder ‹Homeschooling› machen.»


Social Media und Whatsapp-Gruppen

«Meine Kinder sind beide aktiv auf den Plattformen und gehen damit vorsichtig und vernünftig um. Ich brauche diese auch für meinen Beruf. Wenn ich etwas nicht verstehe, erklären sie es mir, wie die Plattform TikTok, die sie gekannt hatten, bevor ich davon hörte. Ich bin mit ihnen auf Instagram und Facebook befreundet. Wenn man als Eltern alles mitmacht, sieht man auch, was sie alles machen.»




Heute bäckt er grosse Brötchen

René Baumann (geb. 5. Januar 1968) alias DJ Bobo gehört zu den erfolgreichsten Schweizer Künstlern mit internationalen Erfolgen.

Der gelernte Bäcker und Konditor aus Kölliken AG hatte 1992 mit dem Song «Somebody Dance with Me» seinen Durchbruch. 2003 landete er mit «Chihuahua» einen Welthit, von dem 1,6 Millionen Singles verkauft wurden. Seit 18 Jahren ist er mit der Sängerin, Kostümbildnerin und Tänzerin Nancy (48) verheiratet. Sie sind Eltern von Jamiro (16) und Kayley (12).

DJ Bobo bringt seine neue Tour «KaleidoLuna» am 30. Mai in die Berner PostFinance-Arena und am 9. Juni ins Zürcher Hallenstadion, wo er zum 20. Mal auftritt. Damit ist er gleichauf mit Elton John, der bis dahin den Einzelkonzert-Rekord hielt.


Neue Tour «KaleidoLuna»

«Dass ich mir treu bleiben und mich doch auch neu erfinden kann, hat sicher damit zu tun, dass wir zwei bis drei Jahre Pause zwischen einer Tour machen. Da bleibt genug Zeit, um frische Ideen zu entwickeln. Ein Highlight bei dieser ist sicher die Bühne, die am Schluss – mit meiner ganzen Truppe darauf – fast senkrecht steht. Für uns ist das sehr emotional, weil sich dabei fast alle in die Hosen machen. Und die Zuschauer wundern sich, weil es spektakulär aussieht.»


Was er noch erleben will

«Die Midlife-Crisis klopft an. Wenn die Kinder aus dem Haus sind – ich bin dann um die 60 –, möchte ich einen Road-Trip mit einem grossen Töff machen. Mit ein paar Freunden für ein paar Monate oder Wochen durch Amerika oder Europa touren.»


Beziehung zu BLICK

«Es ist die erste Zeitung, die mich in der Schweiz wahrgenommen hat. Da hatte ich schon meinen ersten Nummer-1-Hit. Ich wurde anfangs mal mit einer Bäckerschüssel und CD fotografiert und hatte unglaublich Freude daran. Mit der Zeit bekam ich ein zwiespältiges Verhältnis, weil es plötzlich mehr darum ging, was ich esse, welches Auto ich fahre und wann ich aufstehe, und weniger um meine Musik. Doch das bin ich nicht, und da habe ich begonnen, mich zurückzuziehen. Ich bin einfach nicht der Typ, der zur Zeitung rennt, um zu sagen: Hey, ich habe einen neuen Wasserhahn. Doch BLICK hat über mich als Erstes berichtet, und auch die folgenden Jahrzehnte fair. Daher ist alles gut.»


Wunschschlagzeile

«DJ Bobo überholt Elton John mit der Anzahl Hallenstadion-Konzerte. Das wäre schön.»