Die Passion für den Detailhandel
Der lange Weg zu Denner
Als die Zeit reif war und Karl Schweri das Preiskartell der Markenartikel-Produzenten zu Fall brachte, führte der Patron in der Schweiz den Hart-Discounter ein.
Karl Schweri ist ein Kriegskind. Als er am 31. März 1917 im aargauischen Koblenz zur Welt kommt, tritt gleichentags im fernen Washington der US-Kongress zu einer Sondersitzung zusammen. Und am Schluss der Debatte ist klar: Die USA ziehen gegen das wilhelminische Deutschland in den Krieg. Die Familie, in welche der Säugling hineingeboren wird, wird im Dorf nur ’s Schniderlis genannt, weil der Grossvater einst Schneider gewesen war. Der Bub wird auf Karl getauft wie sein Vater, der Kleinbauer und Metzger ist. Als Halbwüchsiger, erinnern sich betagte Koblenzer, soll sich Karl Schweri jun. auf dem Dorfplatz aufgepflanzt und lauthals seinen selbst ersonnenen Werbespot zum Besten gegeben haben: «Wenn d’ wottsch gueti Bluet- und Läberwürscht ha – de muesch zum Metzger Schweri gah!»
Lebensmittel und Werbung, ja selbst der Detailhandel – die Grossmutter hatte einen kleinen Kolonialwarenladen geführt – sind also auf dem Radar in diesem Leben. Da passt es auch, dass der junge Schweri nach einigen Semestern als Gasthörer juristischer Vorlesungen an der Uni Zürich und dem Aktivdienst im Militär ausgerechnet an der Metzgergasse 20, in der Altstadt von Aarau, seine erste Firma gründet. Aus dieser wächst noch vor Kriegsende die Aarauer Handelsgesellschaft AG, Karl Schweris erste Schaltstelle für den Lebensmittelhandel.
1946 übernimmt diese Firma die Consum AG Denner, eine schwindsüchtige Kette von 110 Tante-Emma-Läden, deren Wurzeln bis ins Jahr 1860 zurückreichen. Das Geld hatte er bei Investoren seiner Handelsgesellschaft eingesammelt, oftmals Lieferanten von Lebensmitteln, die nun in die neu erworbenen Denner-Verkaufsregale drängen. Das rächt sich: Als Karl Schweri diesen keine Vorzugspreise gewähren will, werfen die Lieferanten ihren Manager und Mitinhaber kurzerhand aus der eigenen Firma.
Vier Jahre später ist Karl Schweri zurück: Handstreichartig und heimlich reisst er über Strohmänner die Denner-Mehrheit an sich, serviert seine ehemaligen Partner ab und beginnt seine so erworbenen Läden auf eine neue Zeit auszurichten.