3. August 2017
Blick enthüllt Quäl-Skandal von Hefenhofen
Blick enthüllt Quäl-Skandal von Hefenhofen
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Eine Ex-Mitarbeiterin von Pferdezüchter Ulrich K.* berichtet im Blick von mindestens 13 toten Pferden im Quälhof in Hefenhofen TG. Dazu zeigt Blick Schock-Fotos von Pferden, die teilweise bereits tot sind oder im eigenen Kot liegen müssen. Die Bilder erschüttern die Öffentlichkeit. Neu sind die Vorwürfe gegen Ulrich K. nicht. Schon 2008 betitelte ihn SonntagsBlick als den brutalsten Tierquäler der Schweiz. K. ist mehrfach vorbestraft, doch erst jetzt wird der Fall einer breiten Öffentlichkeit bekannt.
Gleichentags kommt es vor dem Hof von Ulrich K. zu einer Demonstration von Tierschützern. Ulrich K. fordert Polizeischutz an. Die Beamten halten Journalisten und Tierschützer vom Hof fern.
Gleichentags kommt es vor dem Hof von Ulrich K. zu einer Demonstration von Tierschützern. Ulrich K. fordert Polizeischutz an. Die Beamten halten Journalisten und Tierschützer vom Hof fern.
4. August 2017
Thurgauer Regierung zögert
Thurgauer Regierung zögert
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Trotz Skandal-Haltung will das Veterinäramt vom Kanton Thurgau Ulrich K. die Tiere nicht wegnehmen. Der zuständige Regierungsrat Walter Schönholzer (57) begründet gegenüber Blick, die Tiere könnten kurzfristig nirgendwo sonst untergebracht werden. Der Aufschrei bei Tierschützern ist gross. Auch der Regierungsrat geht noch einmal über die Bücher.
Einen Tag später enthüllt Blick, dass die Thurgauer Regierung für eine Taskforce einberufen hat. Auch der öffentliche Druck steigt. Über 5000 Personen unterzeichnen eine Online-Petition, welche die sofortige Räumung des Hofs fordert.
Einen Tag später enthüllt Blick, dass die Thurgauer Regierung für eine Taskforce einberufen hat. Auch der öffentliche Druck steigt. Über 5000 Personen unterzeichnen eine Online-Petition, welche die sofortige Räumung des Hofs fordert.
7. August 2017
Quäl-Hof wird geräumt
Quäl-Hof wird geräumt
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Rund 100 Beamte fahren beim Quäl-Hof vor. Kurz vor 16 Uhr wird die Hauptstrasse gesperrt. Die Polizei nimmt 93 Pferde, 80 Schweine, ca. 50 Kühe, Schweine und einige Lamas mit. Ulrich K. wird festgenommen. Er erhält ein superprovisorisches, absolutes Tierhalteverbot. Die Behörden rechtfertigen das langsame Vorgehen an einer Medienkonferenz. Man habe zunächst sicherstellen wollen, dass das Bildmaterial authentisch sei.
Einen Tag später deckt Blick auf, dass K. seine Tiere in mehreren Kantonen verteilt hielt, um eine gerichtlich auferlegte Maximalanzahl an gehaltenen Tieren zu umgehen.
Einen Tag später deckt Blick auf, dass K. seine Tiere in mehreren Kantonen verteilt hielt, um eine gerichtlich auferlegte Maximalanzahl an gehaltenen Tieren zu umgehen.
27. Juli 2020
Anklage vor dem Abschluss
Anklage vor dem Abschluss
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Drei Jahre nach den Blick-Enthüllungen kündigt die Staatsanwaltschaft Thurgau im Juli gegenüber Blick an, die Anklage gegen Ulrich K. stehe vor dem Abschluss. Zum Zeitpunkt der Anklage sagt Mediensprecher Marco Breu: «Zeitlich sprechen wir hier – vorbehaltlich anderer Erkenntnisse – von wenigen Wochen.» 2020 wird zudem ein zwanzigjähriges Tätigkeitsverbot im Bereich der Tierhaltung gegen Ulrich K. verhängt, es ist rechtsgültig.
2020-2021
Ulrich K. prozessiert – und verliert
Ulrich K. prozessiert – und verliert
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Ulrich K. zieht vor Gericht. Der Pferdezüchter besteht darauf, zusammen mit drei Verantwortlichen des Thurgauer Veterinäramts auf der Anklagebank zu sitzen. Gegen den frühpensionierten Kantonstierarzt Paul Witzig (66) und zwei seiner Mitarbeiter wird wegen Amtsmissbrauchs und Gehilfenschaft zur Tierquälerei im Fall Hefenhofen inzwischen ebenfalls ermittelt. Die Staatsanwaltschaft will getrennte Verfahren – und erhält nach langem Hin und Her dafür den Segen der Justiz.
Im Dezember 2021 weist das Bundesgericht die Beschwerde von K. ab. Weil K. aber eine erneute Beschwerde einreicht, verzögert sich die Anklage erneut.
Im Dezember 2021 weist das Bundesgericht die Beschwerde von K. ab. Weil K. aber eine erneute Beschwerde einreicht, verzögert sich die Anklage erneut.
31. März 2022
Staatsanwaltschaft erhebt Anklage gegen Ulrich K.
Staatsanwaltschaft erhebt Anklage gegen Ulrich K.
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Fast fünf Jahre, nachdem Blick den Skandal öffentlich macht, erhebt die Staatsanwaltschaft beim Bezirksgericht endlich Anklage gegen Ulrich K. Sie beantragt unter anderem wegen mehrfacher Tierquälerei eine Freiheitsstrafe von 6,5 Jahren. Ausserdem soll Ulrich K. eine unbedingte Geldstrafe von 150 Tagessätzen à 30 Franken und eine Busse von 3500 Franken zahlen müssen. Der Prozess startet am Mittwoch.
27. Juli 2022
Auch Beamte werden angeklagt
Auch Beamte werden angeklagt
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Neben Ulrich K. erhebt die Staatsanwaltschaft auch Anklage gegen vier Mitarbeiter des Veterinäramts, unter anderem gegen den ehemaligen Amtsleiter. Ihm wird vorgeworfen, zwischen Oktober 2014 bis August 2017 keine weiteren Massnahmen angeordnet, Kontrollen nur nach Vorankündigung durchgeführt und zuletzt auch auf zahlreiche Anzeigen zwischen Januar 2015 bis Juni 2017 nicht reagiert zu haben. Es geht um Unterlassung und Amtsmissbrauch. Ein Prozesstermin steht noch aus.
