Im Nahen Osten brodelt es: Saudi-Arabien, Bahrain, Ägypten und die Vereinigten Arabischen Emirate haben die diplomatischen Beziehungen zu Katar gekappt. Begründet wurde dies unter anderem mit Verbindungen Dohas zu «Terrororganisationen». Doch auch der Iran spielt eine wichtige Rolle bei dem Entscheid. Blick erklärt die wichtigsten Player im Nahen Osten.
Am Persischen Golf gibt es mächtig Zoff. Saudi-Arabien, Bahrain, Ägypten und die Vereinigten Arabischen Emirate haben mit Katar, dem Organisator der Fussball-WM 2022, gebrochen. Alle Grenzen sind geschlossen, der Verkehr über Luft-, Wasser- und Landwege eingestellt. Grund für diese Massnahme: Unterstützung des Terrorismus im Jemen und in Syrien. So lautet zumindest der Vorwurf. Nun herrscht Eiszeit im Morgenland.
Das in der Region nun weitgehend isolierte Emirat Katar wurde zudem aus der von Saudi-Arabien angeführten Militärallianz ausgeschlossen, die seit zwei Jahren im Jemen gegen schiitische Rebellen kämpft. Katar verwahrte sich gegen die Vorwürfe der Terrorunterstützung und warf vor allem Saudi-Arabien vor, es politisch bevormunden zu wollen.
Das kleine Land sorgte immer wieder mit einer eigenständigen Politik für Ärger bei seinen Nachbarn. Unter anderem unterhält es gute Beziehungen zu Saudi-Arabiens Erzrivalen Iran und beherbergt eine Reihe wichtiger Vertreter der Muslimbruderschaft, die von Ägypten, Saudi-Arabien und den Vereinigten Arabischen Emiraten als «Terrororganisation» eingestuft wird.
Das sind die wichtigsten Player in der Katar-Krise.
Mit 79 Jahren wurde Premierminister Salman ibn Abd al-Aziz (81) im Januar 2015 zum König ernannt. Dabei war er schon schwer angeschlagen. Knapp ein Jahr zuvor hatte er einen Schlaganfall erlitten, kann seither seinen linken Arm kaum bewegen. Auch Gerüchte über Alzheimer machten die Runde. Dennoch hält sich Aziz an der Macht. Er gilt seit vielen Jahrzehnten als Geldgeber für islamistische Gruppierungen, auch für terroristische. So wird Aziz auch immer wieder in Verbindung mit dem Anschlag vom 11. September 2001 gebracht. Handfeste Beweise gibt es allerdings nicht.
Altertümliche Strafen
Die Staatsreligion Saudi-Arabiens ist der sunnitische Islam. Im Land befinden sich zwei der heiligsten Stätten des Islam: die Kaaba in Mekka und die Grabstätte des Propheten Mohammed in Medina. Jährlich pilgern mehrere Millionen Gläubige dorthin. Menschenrechte gelten im streng gläubigen Saudi-Arabien wenig. Altertümliche Strafen wie Steinigung oder Amputationen bei Diebstahl sind keine Seltenheit, die Todesstrafe wird vollzogen. Auch sind christliche und jüdische Gottesdienste verboten.
Präsident Abd al-Fattah as-Sisi (62) führte den Militärputsch 2013 an und steht nun an der Spitze der Regierung. Hier schaltet und waltet Sisi mit harter Hand. Er liess zahlreiche Politiker und Regime-Kritiker verhaften, manche sogar zum Tode verurteilen. Auf der anderen Seite fördert Sisi den Dialog zwischen den Religionen. In seiner Neujahrsrede 2015 forderte er ein Ende des Terrors. Es sei eine Schande, was Muslime im islamischen Glauben für Angst und Schrecken verbreiten. Er plädiert für ein Miteinander, auch wenn er unzählige Menschen töten liess.
Angespannte Lage
Pyramiden, Pharaonen und Kamele – das verbindet man mit Ägypten. Einst ein beliebtes Reiseziel, haben Unruhen und gewaltsame Aufstände seit 2011 dem Tourismus des Landes schwer zugesetzt. Der Machtwechsel durch den Militärputsch 2013 brachte kaum Besserung. Die Lage im Land ist nach wie vor angespannt. Meinungsfreiheit gibt es kaum, Folter und Misshandlungen für Gefängnisinsassen sind weit verbreitet.
2002 ernannte sich Hamad bin Isa Al Chalifa (67) selbst zum König.
Synagogen
Das Königreich Bahrain besteht aus 33 Inseln. Mehr als 70 Prozent der Bevölkerung gehören dem Islam an. Das Besondere: Im Gegensatz zu seinen benachbarten Staaten gehört der Grossteil der Einwohner zu den Schiiten. Interessant: Das Herrscherhaus selbst ist sunnitisch. Auch Christen und Juden leben in Bahrain. Es ist sogar das einzige arabische Land mit einer Synagoge für die jüdische Gemeinde.
Scheich Chalifa bin Zayid Al Nahyan (69) ist seit 2004 Präsident der Vereinigten Arabischen Emirate.
Reiche Schätze
Bei den Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) handelt es sich um einen Zusammenschluss von sieben Emiraten, der 1971 erfolgte. Dank einem enormen Ölvorkommen, das siebtgrösste der Welt, zählen die VAE zu den reichsten Ländern der Welt. Geldprobleme gibt es also kaum welche. Dafür haben die VAE ins Sachen Menschenrechte Nachholbedarf. Willkürliche Verhaftungen werden vollzogen, die Freiheit der Einwohner stark kontrolliert. Die Todesstrafe wird zwar vollstreckt, aber nur in seltenen Fällen.
Wer regiert?
Im Februar 2012 wurde Abed Rabbo Mansur Hadi (71) nach Präsidentschaftswahlen als neuer Staatspräsident vereidigt. Damit löste er Ali Abduallah Salih ab, der zuvor 33 Jahre das Land regierte. Wie Hadi an die Macht kam, ist umstritten. Denn bei den Wahlen stand Hadi als einziger Kandidat zur Verfügung. Dafür sollte er nur als Übergangspräsident regieren, nach zwei Jahren sollten Neuwahlen angesetzt werden. Doch dazu kam es nicht. Als Hadi nicht freiwillig zurücktrat, stürmten Rebellen 2015 den Präsidentenpalast. Hadi floh in die südlich gelegene Stadt Aden und erklärte diese zur neuen Hauptstadt.
Kriegszustand
1990 kam es zur Vereinigung der zwei Staaten Nordjemen und der Demokratischen Volksrepublik Jemen. Und damit auch eine angespannte politische Situation im Land. Denn eine südjemenitische Bewegung fordert Unabhängigkeit, kämpft gegen den Zusammenschluss mit dem Norden. Im Jahr 2015 eskalierte der Konflikt zwischen dem Nord- und Südjemen. Rebellen stürmten den Präsidentenpalast. Seitdem herrscht Krieg im Land. Bombardierungen und Häuserkämpfe stehen an der Tagesordnung. Zudem kommt es immer wieder zu terroristischen Anschlägen und Entführungen von ausländischen Staatsangehörigen.
Wer regiert?
Präsident Baschar al-Assad (51) ist studierter Mediziner und legte Teile seiner Weiterbildung zum Augenarzt in einem Londoner Spital ab. Weil sein Bruder 1994 bei einem Autounfall ums Leben kam, rückte Assad als Nachfolger seines Vaters auf. Im Jahr 2000 verstarb sein Vater und er konnte durch eine Verfassungsänderung mit 34 Jahren das neue Staatsoberhaupt werden. Zuvor betrug das Mindestalter für Präsidenten 40 Jahre. Seither herrscht Assad entschlossen sein Land. Er gilt als gebildet und erbarmungslos. So wird er zum Beispiel für einen Angriff mit dem Nervengift Sarin verantwortlich gemacht, bei dem zahlreiche Zivilisten, auch Kinder, qualvoll sterben mussten.
Syrer auf der Flucht
Seit Anfang 2011 herrscht in Syrien Bürgerkrieg. Die Terrororganisation Islamischer Staat (IS) und Rebellen kämpfen gegen Regierungstruppen. Unter den andauernden Kämpfen leidet die dortige Bevölkerung. Millionen Syrer haben das Land bereits verlassen, viele sind noch auf der Flucht. Bisher sind rund 400.000 Menschen durch den Bürgerkrieg getötet wurden. Ein Ende des Konflikts ist nicht in Sicht. Keiner der Parteien weicht zurück.
Wer regiert?
Im Sommer 2013 trat Emir und Scheich Tamim bin Hamad Al Thani (37) die Nachfolge seines Vaters an und wurde Staatsoberhaupt des Emirats Katar. Damals war er gerade mal 33 Jahre alt. Damit war Thami der jüngste Staatschef der arabischen Welt. Neben seinem Regierungsamt engagiert er sich im Nationalen Olympischen Komitee für den Sport seines Landes. Es ist sicher auch ihm zu verdanken, dass die Fussball-Weltmeisterschaft 2022 in Katar stattfinden wird.
Öl ja, Menschenrechte nein
Zuerst Perlenhandel, dann das ganz grosse Geschäft mit seinen Bodenschätzen. So lässt sich schnell die Geschichte von Katar zusammenfassen. Bis ins frühe 20. Jahrhundert hinein, war eine Haupteinnahmequelle des Landes Naturperlen. Durch Zuchtperlen aus Fernost brach der Markt zusammen. Doch dann stiess man auf Erdöl- und Erdgasquellen und Katar schwang sich zum reichsten Land der Welt auf. Hinsichtlich der Menschenrechte sieht es dagegen weniger positiv aus. Besonders an den Arbeits- und Lebensbedingungen scheint man zu sparen. Im Rahmen der Bauarbeiten für die Fussball-Weltmeisterschaft, die 2022 stattfinden soll, wurde immer wieder Kritik über menschenunwürdige Verhältnisse einfacher Arbeiter laut.
Wer regiert?
Ajatollah Ali Chamene’i (77) ist seit 1989 religiöser und politischer Führer zugleich. Chamene’i gilt dabei als äussert konservativ und radikal. Als gewandter Redner machte er sich zuvor einen Namen, aber nicht immer Freunde. 1981 wurde auf ihn ein Attentat verübt. Ein Bombe, versteckt in einem Tonbandgerät, explodierte während eines Gebets. Durch den Anschlag kann Chamene’i seinen rechten Arm nicht mehr bewegen. Doch diese Attacke hielt ihn nicht davon ab, bis zum Führer seines Landes aufzusteigen.
Todesstrafe für Ehebruch
Der Iran ist ein sehr religiöses und sehr reiches Land. Besonders dank dem grössten Erdölvorkommen der Welt verfügt der Iran über viel Macht und kann Einfluss auf die Versorgung der Welt nehmen. Daneben zählt der Iran zu den Ländern mit den meisten Hinrichtungen. Denn Recht wird nach der Scharia, dem islamischen Gesetz, gesprochen. Die Todesstrafe kann für verschiede Vergehen verhängt werden, wie zum Beispiel Ehebruch, Prostitution oder Gotteslästerung. Erschreckend: Minderjährige und Touristen sind davon nicht ausgeschlossen.