Flavio Cotti war bisher der letzte Bundesrat aus dem Tessin. Der studierte Jurist aus Muralto stand für die CVP ab 1987 zuerst dem das Departement des Innern vor, bevor er 1993 Aussenminister wurde. In dieser Funktion hatte er die schwierige Aufgabe, die nach dem EWR-Nein 1992 verstimmte EU mit möglichst wenig Zugeständnissen in den bilateralen Abkommen zu besänftigen.
Der aus Quinto stammende Nello Celio wurde am 15.12.1966 für die FDP in den Bundesrat gewählt. Er stand erst dem damaligen Militärdepartement vor, wechselte dann aber ins Finanz- und Zolldepartement. Celio war zweifellos einer der beliebtesten Bundesräte in der Geschichte der Schweiz: Als er 1972 seinen Rücktritt erklärte, wurde eine Petition lanciert, infolge derer rund 22'000 Postkarten ihren Weg ins Bundeshaus fanden, um Celio zum Weitermachen zu überreden.
Giuseppe Lepori, gelernter Jurist aus Massagno, wurde am 16.12.1954 in den Bundesrat gewählt. Für die CVP stand er während seiner Amtszeit dem Post- und Eisenbahndepartement vor und setzte sich dort hauptsächlich für ein staatliches Fernsehen ein, für dessen Aufbau er im Parlament eine Mehrheit für eine Übergangsfinanzierung erreichte. Nach einem Schlaganfall 1959 reichte er seinen Rücktritt ein.
Der Rechtsanwalt Enrico Celio wurde am 22. Februar 1940 für die CVP in den Bundesrat gewählt. Zehn Jahre lang, also während des Grossteils des zweiten Weltkriegs, war er im Amt und stand in dieser Zeit dem Post- und Eisenbahndepartement vor. Nach seiner Zeit im Bundesrat wurde er 1950 Schweizer Gesandter in Italien.
Giuseppe Motta ist mit 28 Dienstjahren einer der bisher amtsältesten Bundesräte. Für die Katholische Volkspartei besetzte der Rechtsanwalt aus Airolo erst das Finanzdepartement, wo er die schwierige Aufgabe bekam, die Staatskasse für die Mobilmachung und die Vorbereitungen für den ersten Weltkrieg zu füllen. 1920 wurde er Aussenminister. Damit wurde der Job nicht leichter, standen doch der Beitritt zum Völkerbund, sowie diplomatische Auseinandersetzungen mit den Nazis im Norden, den Faschisten im Süden und der Sowjetunion im Osten an.
Giovanni Battista Pioda war der zweite Bundesrat aus dem Tessin. Wie sein Vorgänger Franscini war auch der FDP-Bundesrat Pioda Vorsteher des Innendepartements und ein grosser Anhänger der Statistik, weswegen in seiner Zeit auch das Bundeamt für Statistik gegründet wurde. Pioda trat 1864 zurück und übernahm einen Botschafterposten am Hofe des italienischen Königs Viktor Emanuel II.
Der erste der Tessiner Bundesräte und Innenminister war Stefano Franscini aus Bodio. Der Lehrer und Statistiker organisierte die erste Volkszählung der Schweiz und schuf damit die Grundlage für das heutige Bundesamt für Statistik. Ebenfalls auf seine Initiative hin wurde 1855 die Eidgenössische Technische Hochschule (ETH) in Zürich gegründet. Franscini verstarb plötzlich 1857 im Amt.